22.05.2020, 09.53 Uhr

Coronavirus-News aktuell: Leere Praxen! Macht die Corona-Angst unser Gesundheitssystem kaputt?

Der prophezeite Kollaps des deutschen Gesundheitssystems durch die Coronavirus-Pandemie blieb zum Glück aus. Doch aus Angst vor einer Infektion gehen immer weniger Patienten zum Arzt. Das hat verheerende Folgen.

Ärzte warnen vor Kollaps des Gesundheitssystems. Bild: dpa

Mit Beginn der Corona-Krise schränkten viele Praxen ihren Betrieb ein. Die Sorge war groß, dass unser Gesundheitssystem durch die Pandemie kollabieren könne. Doch zum Glück kam es anders. Nun könnte aber ein anderes Problem zu einem Systemkollaps führen. Viele Arztpraxen bleiben noch immer so gut wie leer. Der Grund: Die Menschen haben Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus.

Verheerende Folgen fürs Gesundheitssystem! Coronavirus-Krise fegt Arztpraxen leer

"Die Verunsicherung in der Bevölkerung hat zu einem massiven Rückgang der Arzt-Patienten-Kontakte geführt", heißt es in einem Positionspapier der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB). So behandelten Hausärzte laut einer Erhebung der KVB seit Mitte März fast ein Drittel weniger Patienten als im gleichen Zeitraum im Vorjahr. Vorsorgeuntersuchungen seien sogar um 80 Prozent zurückgegangen.

"Gehen Sie wieder zu Ihrem behandelnden Hausarzt, Facharzt oder Psychotherapeut", richtet sich die KVB mit einem Appell an alle Patienten. "Nehmen Sie notwendige Vorsorgetermine war und beteiligen Sie sich an den diversen Programmen zur Früherkennung von Krankheiten. Es gibt keinen Grund, aus Angst vor einer möglichen Ansteckung mit dem Coronavirus den Praxisbesuch aufzuschieben."

Ärzte warnen vor hohen Behandlungskosten, Insolvenzen und lebensbedrohlichen Diagnosen

Doch Patienten, die aus Angst nicht zum Arzt gehen, setzen ihre Gesundheit aufs Spiel und verursachen möglicherweise später hohe Behandlungskosten. Mediziner schlagen laut "Bild"-Zeitung Alarm. Die Folgen für das deutsche Gesundheitssystem seien verheerend. Erst nach Jahren könne erfasst werden, welche Schäden die Coronakrise in unserem System hinterlassen habe. Frühzeitige Krebsdiagnosen entscheiden über Leben oder Tod. Auch Herzinfarkt- und Schlaganfall-Patienten trauen sich offenbar weniger in ärztliche Behandlung. Laut KVB sei die Zahl der im Krankenhaus aufgenommenen Patienten um 30 Prozent zurückgegangen.

Viele Ärzte bangen bereits um ihre Existenz. Weniger Patienten bedeuten auch geringere Einnahmen. "Im Schnitt habe ich 30 Patienten am Tag behandelt. Zu Corona-Hochzeiten kamen noch sechs", zitiert die "Bild" die HamburgerZahnärztin Dr. Hamide Farshi. Der Chef der Deutschen Herzstiftung, Prof. Dietrich Andresen, offenbart gegenüber der "Bild" eine düstere Prognose: "Es gab 20 bis 30 Prozent weniger Patienten mit Herzproblemen in den Kliniken. Die Angst vor einer Infektion ist offenbar größer als vor einem Herzinfarkt. Es wird in nächster Zeit mehr schwerere Fälle in den Kliniken geben, mehr Patienten mit ausgeprägten Vorschäden werden kommen. Das erhöht natürlich auch die langfristigen Behandlungskosten und belastet das Gesundheitssystem."

Lesen Sie auch: Gehäufte Thrombosen bei Covid-19-Patienten stellen Ärzte vor Rätsel.

Folgen Sie News.de schon bei Facebook und YouTube? Hier finden Sie brandheiße News, aktuelle Videos, tolle Gewinnspiele und den direkten Draht zur Redaktion.

bua/fka/news.de

Empfehlungen für den news.de-Leser